ÜBER EUCH

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Erzählt uns Eure Geschichten. Geschichten, die Euch berührt, erschreckt, gefreut haben.

Geschichten, die ihr erzählen wollt, weil ihr sie schon immer mal loswerden wolltet oder weil sie anderen helfen könnten.

Geschichten über Euer Outing, über Eure Sexualität, über Euer Leben.

Lange Geschichten oder kurze Geschichten, traurige, ernste oder lustige Geschichten.

Schreibt uns Eure Geschichte an kontakt@queer-pfaffenhofen.de

Wir möchten die Geschichten mit Eurem Vornamen und Eurem Alter veröffentlichen, ansonsten völlig anonym. Wir werden die Geschichten ausschließlich auf unserer Homepage unter dieser Rubrik veröffentlichen. Nirgends sonst und Niemand wird

Euren Namen von uns erfahren.

Traut Euch.

 

Dennis (37)

 

Mal eine Zusammenfassung meiner Erfahrungen, seit ich wieder auf dem sogenannten „Markt“ bin...

Meine Vorstellung in Kurzfassung homosexuell zu sein, war immer die mit einem Mann zusammen zu leben, wo es wie in einer klassischen Heterobeziehung läuft. Beide gehen ihrer Arbeit nach, unternehmen gemeinsam Dinge, bauen ein Haus, machen Urlaub zusammen und kümmern sich gemeinsam um alles. Beide sehen sich nicht als selbstverständlich an und die Rollen sind in umgangssprachlich aktiv und passiv verteilt, damit jeder seine sexuelle Befriedigung und Erfüllung findet - und da auch von mir aus bin zart bis hart über Fetisch oder sonst was. An sich könnte man denken das DAS normal wäre...

Was man jedoch findet sind:

- Männer die nicht mal über den Ortsausgang hinaus bereit dazu sind, jemanden kennen zu lernen

- nicht zum Date erscheinen

- keine Kompromisse mehr eingehen wollen

- Pleitegeier

- regelrechte Drogenjunkies, die ohne Chemie nichts anderes mehr kennen und können

- Bisexuelle die sich ausprobieren wollen

- vergebene Fremdgeher

- HIV-Positive, die ausschließlich bare ficken wollen aber nicht wissen, ob die Viruslast grad ok ist

- perverse und gefährliche sexuelle Praktiken wollen,  die jenseits jeglicher normalen Vorstellungskraft liegen

- sich eingeengt fühlen, wenn man telefonieren oder sich treffen will, statt permanent zu schreiben

- gerade ältere Männer, die eine Altersgrenze von 20 angeben

- die selbst aussehen wie 5kg Krautsalat, aber size zero erwarten

- die sich nicht festlegen wollen, keinen Plan vom Leben und von der Zukunft haben

- die nach Jahren noch am Ex hängen

- Null Anstrengung und Einsatz zeigen

- permanent nach was Jüngerem, Dünneren und Geilerem schauen

- die im Alter plötzlich feststellen, dass die permanente Fickerei durchs Leben dazu geführt hat, dass sie nun alleine sind und sie einen Ruf weg haben

- keine Verantwortung oder Bindung in jeglicher Form für irgendwas übernehmen wollen

- die vor Selbstverliebtheit am vergänglichen und muskulösen Körperbau bald sterben

Und eins nicht zu vergessen - offenbar sind von allen Schwulen 80% passiv geworden. Da haben die restlichen 20% Aktiven ja die große breite Auswahl und verhalten sich äußerst uncool ohne Stil und Niveau.

Selten sprachlos, aber bitter enttäuscht, verwundert und ich denke das genau die o.g. Punkte Homophobie in der Öffentlichkeit fördern. Äußerst abstoßend und nicht für ein reales Leben bestimmt.

Also ich muss echt sagen - die gaycommunity hat echt abgeloost die letzten 14 Jahre, als ich weg war - wird Zeit das das mal wieder anders wird.

 
 

Jürgen (55)

 

Ich bin 55 Jahre….

Mit ca. Mitte 30 hatte ich das erste Mal den Wunsch mich mit einem jüngeren Mann zu treffen. Ich wollte mal mit einem Männerkörper kuscheln…und mit einem anderen Mann intim werden. Ich wollte es so gerne mal ausprobieren. Aber dann kam immer diese Unsicherheit und Angst dazu….ich fragte mich ob es normal sei, wenn ich solche Gedanken habe.

Ich bin ungeoutet…. hoffentlich geht das dann auch gut. Man weiß nie wen man da trifft.

Ich habe mich dann ein paar Mal mit jüngeren Männern getroffen…. immer über Internet oder Telefon kennengelernt. Ich war immer sehr aufgeregt… die Männer waren alle sehr nett, haben sich viel Mühe gegeben, doch es war nicht das richtige dabei, um sich fallen zu lassen……  doch ich sehne mich immer nach einem Freund und oder Kumpel, mit dem ich über meine Wünsche und Neigungen reden kann. Der das alles eventuell schon hinter sich hat. Ich traue mich nicht allein in Gay Kneipen oder Gay Saunen zu gehen.

Leider bin ich viel zu schüchtern….

Meine Gedanken drehen sich um Männer. Aktuell würde ich sagen, fühle ich mich eher zu einem Mann hingezogen. Ein Männerkörper macht mich mehr an.

Aber bin ich deshalb schwul?

Oder bi?

Ist es nicht völlig egal was ich bin?

Darf ich mich nicht ausprobieren?

Ich wünschte mir ich hätte jemand mit dem ich reden kann…der mir hilft meine Ängste und Unsicherheit zu nehmen.

Aber es tut grad gut darüber zu schreiben…viel lieber würde ich mit jemandem darüber reden…. Jürgen

 

Marco (31)

 

Ich komme aus einer kleinen südbadischen Stadt, die zwischen Basel und Freiburg liegt. In meiner Heimat (wo wirklich jeder jeden kennt) wurde hinter meinem Rücken lange spekuliert und geredet ob ich schwul bin oder nicht. Im Prinzip wusste es jeder das ich Homosexuell bin, es war eben ein offenes Geheimnis. Um Spekulationen und Gerede endlich einem Ende zu machen, beschloss ich mich damals bei meinen Eltern zu outen. Bevor es zum Outing kam hatte ich anfangs Herzrasen, war aufgeregt, dachte ich kollabiere, werde wie ein Kartenhaus zusammenklappen. In der Tasche hatte ich schon einen „Plan B“ falls das Outing eskaliert und in die Hose gehen würde. Doch das Gegenteil: Meine Eltern reagierten ganz cool. Mich aufgrund meiner Homosexualität abzustoßen oder es als Schande anzusehen, war für meine Eltern keine Option. Schließlich war Ihnen die Liebe zu Ihren Kindern und der Zusammenhalt in der Familie viel zu groß. Dies gilt auch für den Rest der Familie. Allgemein ist in meiner Familie das Thema „QUEER“ kein Problem. Meine Familie ist mit der Zeit mitgegangen, sind sehr weltoffen, modern und tolerant.

Auch bei Freunden, Arbeitskollegen und Bekannten wurde meine Homosexualität akzeptiert.

Körperliche Auseinandersetzungen oder das ich verbal angegriffen wurden bin gab es bis jetzt noch nicht. Das ich aber auf Menschen gestoßen bin die mit dem Thema „Homo“ ein Problem haben oder nicht Wissen wie Sie mit dem Thema umgehen sollen hatte ich trotzdem. Jedoch kann ich gut mit solchen Menschen umgehen und akzeptiere deren Ihre Meinung. Es wird immer Menschen geben die „ANTI“ sind! Und so gibt es eben auch Menschen die was gegen die „Bunte Szene“ haben. Ich glaube ich spreche aus der Seele für alle „Schwestern“, wenn ich sage, dass in der eigenen Community sehr oft Intoleranz und oft auch Respektlosigkeit herrscht. Ich glaube auch unsere Community sollte noch lernen sich gegenseitig zu tolerieren, akzeptieren und vor allem sich zu respektieren. Auch die eigene Szene ist sehr oft widersprüchlich. Erst gehen wir gemeinsam auf den CSD (Christopher Street Day) um Anerkennung und Rechte zu gewinnen, im nächsten Moment aber machen wir uns gegenseitig fertig, weil jeder von uns individuell und „anders“ ist. Muss man das verstehen?

Die Szene wirkt für einen Ausendstehenden oft bunt, alles glitzert und alle sind ja sooo cool und offen, hinter der Fassade aber herrscht oft Mistgunst, Neid und Intoleranz.

„ALLES WAS GLÄNZT IST NICHT GLEICH GOLD“

Auch ich musste lernen in der eigenen Szene zurecht zu kommen. Oft musste ich mich durchboxen und mir einen Platz erkämpfen. Heute bin ich mit einem Mann verheiratet. Wir führen eine glückliche und zufriedene Ehe. Wir stehen als homosexuelle Eheleute zu unserer Community und unterstützen diese so gut es geht.