Marco (31)

Ich komme aus einer kleinen südbadischen Stadt, die zwischen Basel und Freiburg liegt.

Marco (31)

Ich komme aus einer kleinen südbadischen Stadt, die zwischen Basel und Freiburg liegt.

In meiner Heimat (wo wirklich jeder jeden kennt) wurde hinter meinem Rücken lange spekuliert und geredet, ob ich schwul bin oder nicht. Im Prinzip wusste es jeder das ich Homosexuell bin, es war eben ein offenes Geheimnis. Um Spekulationen und Gerede endlich einem Ende zu machen, beschloss ich mich damals bei meinen Eltern zu outen. Bevor es zum Outing kam, hatte ich anfangs Herzrasen, war aufgeregt, dachte ich kollabiere, werde wie ein Kartenhaus zusammenklappen. In der Tasche hatte ich schon einen „Plan B“ falls das Outing eskaliert und in die Hose gehen würde. Doch das Gegenteil: Meine Eltern reagierten ganz cool. Mich aufgrund meiner Homosexualität abzustoßen oder es als Schande anzusehen, war für meine Eltern keine Option. Schließlich war Ihnen die Liebe zu Ihren Kindern und der Zusammenhalt in der Familie viel zu groß. Dies gilt auch für den Rest der Familie. Allgemein ist in meiner Familie das Thema „QUEER“ kein Problem. Meine Familie ist mit der Zeit mitgegangen, sind sehr weltoffen, modern und tolerant.
Auch bei Freunden, Arbeitskollegen und Bekannten wurde meine Homosexualität akzeptiert.
Körperliche Auseinandersetzungen oder das ich verbal angegriffen wurden bin gab es bis jetzt noch nicht. Das ich aber auf Menschen gestoßen bin, die mit dem Thema „Homo“ ein Problem haben oder nicht wissen, wie Sie mit dem Thema umgehen sollen hatte ich trotzdem. Jedoch kann ich gut mit solchen Menschen umgehen und akzeptiere deren Ihre Meinung. Es wird immer Menschen geben, die „ANTI“ sind! Und so gibt es eben auch Menschen die was gegen die „Bunte Szene“ haben. Ich glaube ich spreche aus der Seele für alle „Schwestern“, wenn ich sage, dass in der eigenen Community sehr oft Intoleranz und oft auch Respektlosigkeit herrscht. Ich glaube auch unsere Community sollte noch lernen sich gegenseitig zu tolerieren, akzeptieren und vor allem sich zu respektieren. Auch die eigene Szene ist sehr oft widersprüchlich. Erst gehen wir gemeinsam auf den CSD (Christopher Street Day) um Anerkennung und Rechte zu gewinnen, im nächsten Moment aber machen wir uns gegenseitig fertig, weil jeder von uns individuell und „anders“ ist. Muss man das verstehen?
Die Szene wirkt für einen Ausendstehenden oft bunt, alles glitzert und alle sind ja sooo cool und offen, hinter der Fassade aber herrscht oft Mistgunst, Neid und Intoleranz.
„ALLES WAS GLÄNZT IST NICHT GLEICH GOLD“
Auch ich musste lernen in der eigenen Szene zurecht zu kommen. Oft musste ich mich durchboxen und mir einen Platz erkämpfen. Heute bin ich mit einem Mann verheiratet. Wir führen eine glückliche und zufriedene Ehe. Wir stehen als homosexuelle Eheleute zu unserer Community und unterstützen diese so gut es geht.