#WeRemember: International Holocaust Remembrance Day

Nachdem Adolf Hitler und die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 in Deutschland die Macht erlangten, wurde sofort begonnen, homosexuelle Männer zu verfolgen und die „schwule Kulturszene“ zu zerschlagen. Am 1. September 1935 verschärften die Nationalsozialisten den § 175, unter anderem durch Anhebung der Höchststrafe von sechs Monaten auf fünf Jahre Gefängnis. Darüber hinaus wurde der Tatbestand von beischlafähnlichen auf „unzüchtige“ Handlungen ausgeweitet. Der neu eingefügte § 175a bestimmte für „erschwerte Fälle“ zwischen einem und zehn Jahren Gefängnis. Desweiterem wurde 1936 durch Heinrich Himmler die Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung im Reichskriminalpolizeiamt angesiedelt. Homosexualität wurde somit gesetzlich verboten, da die Nationalsozialisten in ihr eine Bedrohung des „natürlichen“ Bevölkerungswachstum und des „normalen“ Familienlebens sahen. Homosexuelle Männer wurden charakterisiert mit Begriffen wie "entartet", "Volksschädlinge" oder auch „Staatsfeinde“. In der Bevölkerung wurde gezielt gegen diese Männer gehetzt und somit auch ein Schreckensbild der Homosexualität geschürt. Während homosexuelle Männer als Staatsfeinde beschimpft wurden, fiel in der Anfangszeit der „lesbischen Liebe“ im NS-Regime nur wenig Bedeutung zu.


Strichjungen wurden von der Gestapo besonders scharf verhört, denn sie hatten einen guten Einblick in die Homosexuellenszene und konnten viele Männer belasten. Dadurch standen Razzien an beliebten Homosexuellentreffpunkten und Wohnungsdurchsuchungen an der Tagesordnung.


Heinrich Himmler ordnete am 12. Juli 1940 an, alle homosexuellen Männer, die mehr als einen Mann verführt haben, nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis in polizeiliche Beugehaft zu nehmen. Ab diesem Zeitpunkt stieg die Zahl der homosexuellen KZ-Gefangenen. Homosexuelle Männer, die ihre Freiheitsstrafe verbüßt hatten, konnten ihrer Einweisung in ein KZ entgehen, wenn sie sich kastrieren ließen.


Die Gestapo erfasste in dieser Zeit ca. 90.000 Männer wegen Homosexualität. Ca. 50.000 von ihnen wurden zu Freiheitsstrafen verurteilt.


Nach einer vorsichtigen Schätzung des Soziologen Rüdiger Lautmann dürften ca. 10.000 bis 15.000 homosexuelle Männer nach der Entlassung aus dem Gefängnis in den NS-Konzentrationslagern inhaftiert worden und davon mehr als die Hälfte ums Leben gekommen sein. Alle inhaftierten homosexuellen Männer mussten im KZ den Rosa Winkel tragen, ein Abzeichen, das sie im Lager als homosexuell kennzeichnete.


2005 führten die Vereinten Nationen den Internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust ein, der seitdem immer am 27. Januar stattfindet. Die Generation der Opfer und der Täter stirbt aus und somit auch die persönlichen Bezüge zur deutschen Geschichte. Dieser Tag soll die Erinnerung an diese schrecklichen Gräueltaten wachhalten. Auch zukünftige Generationen müssen wachsam sein, dass sich diese Zeit nicht wiederholt.


„So unfassbar es ist, was den als homosexuell Verfolgten in der NS-Zeit angetan wurde; so unfassbar ist es, dass dieses Leid nach 1945 kaum anerkannt wurde – und noch mehr: dass es nicht endete“, betonte Landtagspräsidentin Ilse Aigner gestern beim Gedenkakt an die Opfer des Nationalsozialismus in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.

Der thematische Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf Menschen, die auf Grund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden. Landtagspräsidentin Ilse Aigner und der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, hatten sich entschieden, das Gedenken in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg abzuhalten, wo im Rahmen des Gedenkakts eine Steinstele zum Gedenken an die homosexuellen Opfer eingeweiht wurde. Neben Landtagspräsidentin Aigner und Stiftungsdirektor Freller sprach auch der Bildhauer der Stele, Bastian Brauwer, bei der Veranstaltung. Die Feierstunde endete mit einer Kranzniederlegung zu Ehren der Opfer.





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