Warmer Amor

Aktualisiert: Okt 8








Am 14. Februar 2020 war es endlich soweit. In Pfaffenhoffen fand die erste LGBT*IQ + Friends Party statt.













MEHR ALS EINE PARTY


Queere Künstler machen auf lesbische, schwule, bi-, trans- und intersexuelle Lebensentwürfe aufmerksam


Foto: Frank Stolte

Alle aber waren bester Laune und vor allem eines – gespannt auf den Abend: Der Musikklub 14/1 hatte mit seinem hochkarätigen Gast Leopold, der am 25. Februar auf der Berlinale auftreten wird und dessen Lied „This“ zuletzt bei „Germany’s next Topmodel“ auffiel, am Valentinstag geladen. Unter dem Motto „Warmer Amor – LGBT*IQ + Friends Valentinsparty“ stieg damit die erste Party Pfaffenhofens, die explizit das Thema lesbisch, schwul, bi-, trans- und intersexuell sowie queer im Allgemeinen sichtbar machte. „Wir möchten ganz klar ein Zeichen zu Toleranz und noch besser – Akzeptanz- setzen“, so die Veranstalter Christian Spanheimer und Josef Schindlbeck.

„Homophobie hat in unserer Gesellschaft nichts mehr zu suchen. “ Es müsse normal werden, dass es mehr gibt als nur die Norm. „Das schafft man durch Sichtbarkeit“, so das Duo. Ein Thema, das auch den Stadtratskandidaten und Eheleuten Norbert und Andreas Sigl-März am Herzen liegt: „Wir sind Menschen, die offen zu ihrer Homosexualität stehen. Aber nicht jeder hat das Selbstbewusstsein, so zu sein, wie er ist.“ Dass das aber geht und dabei auf beste, positive Resonanz stieß, bewiesen als grandiose Einstimmung auf den queeren Abend zunächst die Travestiekünstlerinnen Jaqueline Mattel aus Rohrbach und die Pfaffenhofener Glamour-Queen Elisabeth, dargestellt von Andreas Sigl-März. „Hallo ihr Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen, hallo ihr Heteros! Hallo vor allem aber ihr Menschen! Wir lassen uns doch alle nicht in Schubladen pressen! “ So begrüßte sein Ehemann die Künstlerinnen und den gut gefüllten Musikklub – und erntete tosenden Applaus. „Gleichberechtigung ist vielleicht im Gesetz nun verankert, aber noch bei weitem nicht in den Köpfen angekommen. Wir sind nicht so exotisch und selten, wie oft dargestellt wird. Es gibt so viele Homosexuelle und Queere, die zum Beispiel eine Heterovergangenheit haben“, so Sigl-März. „Glaubt an euch und lebt euer Leben! „

Und dann legten Jaqueline und Elisabeth im Wechsel los: Mit aufwendigen, selbst genähten Kleidern, paillettenbestickt und elegant, dazu ein Make-up, das manche Dame sicher neidisch hat werden lassen und gekonnt auf hochhakigen Schuhen stolzierend, inszenierten sie augenklimpernd und kokett Lieder wie „Er gehört zu mir“ oder auch einen grandiosen Jodler mit einmaligem Zungenschlag, den die Menge mit Jubel und Euphorie honorierte. Während Travestie eine schauspielerische Leistung ist, die Jaqueline Mattel und Elisabeth in ihrer Rolle als Frau gekonnt meistern, verkörpert der aufstrebende Szene-Künstler Leopold eine authentische, selbstbewusste, unversteckte, nicht gespielte Lebensweise. Klar positioniert er sich mit seinem Styling und fast femininer Zartheit zu seiner Homosexualität, ermutigt damit gesellschaftliche Normen zu verlassen und konservative Einstellungen aufzubrechen. Sein mit Tiefgang behafteter Sound, den er selbst als „Glam-Pop“ bezeichnet, und sein extravaganter Stil ermutigen den Zuschauer, sich nicht zu verstecken, sondern sich in seiner Individualität zu zeigen. Mit seiner Bühnenpräsenz und ungewöhnlich hohen Stimme riss er die Zuschauer mit.

High Heels, bauchfreies Pailletten-Shirt, lange Wimpern, perfektes Make-up, künstliche Fingernägel und eine sanfte, aber auch impulsive Performance unterstrichen seine Lieder, die eine Mischung aus elektrischem Sound, fetten Beats und eingängiger Popmusik sind, die mit Einflüssen von Michael Jackson, Prince und Beyoncé spielt. „Selbstverwirklichung ist so wichtig im Leben“, so der 25-Jährige. „Zu sich selbst stehen, seiner inneren Stimme folgen – nur das führt zum persönlichen Glück! „

Foto: Frank Stolte

Bei diesem Beitrag handelt es sich um die wortgenaue Abschrift des Artikels im Pfaffenhofener Kurier vom 17. Februar 2020



WARMER AMOR



Es war eine schillernde Party im Musikklub 14/1 in Pfaffenhofen – Stargast war der Künstler LEOPOLD aus Mannheim. Sein Song “This” lief zuletzt bei GNTM.

Warmer Amor das klingt nach einem Getränk, war aber eine bunte Party mit Travestiekunst – mitten in Pfaffenhofen. “Pfaffenhofen ist bunt und seit heute noch viel bunter”, erklärt Moderator und Mitveranstalter Norbert März auf der Bühne im Musikklub 14/1 und erntet dafür tosenden Applaus von den rund 200 Gästen. “Aber es ist halt einfach auch noch so” – das gesteht er sich ein, “dass uns die Leute als bunte Vögel und als etwas schräg anschauen.” Zur Party kommen durfte selbstverständlich jeder – egal ob alt oder jung, groß oder klein, warm oder kalt! Heiß wurde es allen von ganz allein – vor allem beim Act von LEOPOLD, der bauchfrei mit Mega-Taille, hohen Hacken, einer hautengen Straps-Jeans und nicht zuletzt mit seiner außergewöhnlichen Stimme die Zuschauer ins Staunen brachte. 

Die Travestiekünstler hingegen sangen Play-Back – von Marianne Rosenberg über Celine Dion bis hin zu Cher hatten Jaqueline Martell (ein gebürtiger Pfaffenhofener) und die Glamour-Queen Elisabeth (Andreas Sigl-März) einiges im Repertoire. Norbert März und sein Mann stehen für ein buntes Pfaffenhofen und treten an auf der Liste der SPD.

Ganz nebenbei: 

Moderator Norbert März (mit Hut) und sein Lebensgefährte Andreas Sigl-März (rotes Pailettentop) waren das erste homosexuelle Paar, das in Pfaffenhofen standesamtlich getraut wurde. Norbert März, der aus 1. Ehe eine Tochter hat, wurde kürzlich – zusammen mit seinem Mann – stolzer Opa.


Abschrift des Berichts im Espresso-Magazin, Ausgabe März 2020; Fotos: Kajt Kastl

2 Ansichten
Wenn Du immer auf dem Laufenden bleiben möchtest, dann unterzeichne hier für unseren Newsletter: