Strong!

Aktualisiert: 9. Dez 2020

Die LGBTI* Fachstelle gegen Diskriminierung und Gewalt stellt sich vor


Bei einem corona-konformen Videocall hatten wir die Möglichkeit uns mit Dr. Bettina Glöggler und Dr. Michael Plaß von der LGBTI* Fachstelle gegen Diskriminierung und Gewalt auszutauschen.


Queer Pfaffenhofen trägt sehr gerne dazu bei, Strong! auch hier im Landkreis Pfaffenhofen bekannt zu machen.


Ihr seid die Fachstelle der LGBTIQ* gegen Diskriminierung und Gewalt. Seit wann gibt es Euch und wo kann man Euch in München finden?

Strong! gibt es seit Juli 2020. Ihr findet uns am besten unter 089/856346427 und www.strong-lgbti.de, auch wenn ihr nicht im Großraum München wohnt. Und natürlich in den Räumen des Sub e.V. in München.


Was bedeutet STRONG?

Strong! spielt darauf an, dass viele LGBTIQ* Menschen in Deutschland besonders stark sein müssen, weil sie sehr oft blöde Sprüche, scheinbar harmlose „Witze“ und Anfeindungen erleben – z.B. auf der Straße, im Supermarkt oder online. Und außerdem impliziert „Strong!“ das Wiederfinden der eigenen Stärke nach einem diskriminierenden bzw. gewalttätigen Vorfall.



Strong ist ein Bayernweites Projekt. Wie vernetzt Ihr Euch?

Strong! startete mitten im Corona-Sommer 2020. Aktuell vernetzen wir uns vor allem online, z.B. in Videocalls, auf https://facebook.com/stronglgbtiq und über zahlreiche Interviews in Zeitschriften, Podcasts oder Webportalen. In 2021 wollen wir dann die Vernetzung wieder vor Ort vorantreiben, indem wir in LGBTIQ* Locations Materialien auslegen und auf den CSDs in Bayern präsent sind.


Was kann Queer-Pfaffenhofen dazu beitragen?

Queer Pfaffenhofen kann Unterstützung leisten, Strong! bekannter werden zu lassen, z.B. durch Verlinkungen online oder durch sog. Mundpropaganda. Und dadurch, Menschen, mit denen Queer Pfaffenhofen zu tun hat für die Themen Diskriminierung und Gewalt zu sensibilisieren und zu ermutigen, dies nicht hinzunehmen.


Wo findet Diskriminierung und Gewalt statt? Bzw. Wie definiert Ihr Diskriminierung, Gewalt und Mobbing?

Bei Strong! werden die unterschiedlichsten Fälle bekannt – die passieren auf der Straße, im Supermarkt, auf Online-Dating-Plattformen, in der Arbeit, in der Schule, im Elternhaus und auch zu Hause: in den Beziehungen von LGBTIQ*s. Das Spektrum von Gewalt und Diskriminierung ist sehr breit. Viele denken bei Gewalt nur an Zuschlagen oder Waffen. Aber es bedeutet viel mehr. Es beginnt einzelnen Vorfällen, wie bösen Blicken, Lächerlich machen, der Nicht-Anerkennung der sexuellen oder der Geschlechtsidentität bis hin zu Mobbing am Arbeitsplatz, täglicher Schikane in der Schule, immer wiederkehrende Demütigungen in der Paarbeziehung zu Hause bis hin zu tätlichen Angriffen in der U-Bahn. Auch Unterdrucksetzen, Erpressung oder das Ausnutzen einer Abhängigkeitsbeziehung sind Formen von Gewalt, die in den Beratungsgesprächen bei Strong! immer wieder Thema werden.


Wie kann man Diskriminierung oder Gewalt melden? Und wie geht es dann weiter, wenn ich es gemeldet habe?

Die Meldung kann, auf Wunsch auch anonym, direkt bei uns gemacht werden, z.B. im Beratungsgespräch vor Ort oder telefonisch oder über den Online Meldebogen: www.meldung-strong.subonline.org. Hier können alle LGBTIQ*s (oder Menschen, die so wahrgenommen wurden) ihre Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen angegeben: ob sie Homo- Bisexuellen- oder Trans*feindlichkeit oder Diskriminierung aufgrund des HIV-Status erfahren haben. Häufig mischen sich diese Diskriminierungen mit Rassismus, Agism, Bodyshaming oder Antisemitismus. Prinzipiell ist erst mal jedes Erlebnis bei Strong! richtig. Anders als bei der Strafverfolgung gibt es bei uns auch keine Bagatelldelikte, Bedenken, wie ein Vorfall könnte "nicht schlimm genug" gewesen sein, sind absolut unbegründet. Es gibt eine enorme Dunkelziffer, Ihr alle könnt dazu beitragen, diese zu erhellen! Durch jede Meldung werden die Probleme der Homosexuellen- und Trans*Feindlichkeit deutlicher und damit wachsen auch die Möglichkeiten, politisch etwas anzuschieben.

Wir vermerken jede Meldung in unserer Statistik. Wenn jemand darüber hinaus einen Kontaktwunsch angibt, melden wir uns bei der betroffenen Person. Wir unterstützen durch psychologische Beratung und durch Hilfe bei der Erstattung einer Anzeige oder bei Beschwerden. Oft wissen die Betroffenen selbst noch nicht, wie es weitergehen soll, dann beraten wir zu den bestehenden Möglichkeiten. Letztlich entscheidet immer die betroffene Person, welche Art von Unterstützung sie annehmen möchte.


Wie wird es in der Münchner Stadt aufgenommen? Gibt es gegen Euch irgendwelche negativen Reaktionen?

Da es Strong! erst seit Juli gibt, ist die Resonanz bisher nur positiv. Die Leute finden es super, dass es nun eine bayernweite Fachstelle gibt, die sich voll und ganz mit diesen Problemen beschäftigt und es nun auch für LGBTIQ*s, die abseits der bayrischen Metropolregionen leben, eine Anlaufstelle gibt. Allerdings bekommt das Sub auch immer wieder Anfeindungen zu spüren, v.a. in Form Hasskommentaren im Internet. Diskriminierung ist eben leider auch hier präsent.


Wir von Queer-Pfaffenhofen, bedanken uns für das nette Gespräch mit Euch. Auch wir sind der gleichen Meinung, dass es mehr Licht ins Dunkle geben muss und Diskriminierung bzw. Gewalt nicht geben darf. Wir freuen uns auf einen regen Austausch und eine gute Zusammenarbeit. Bleibt in der schweren Corona Zeit alle gesund und wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen.

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