Statistiken

Ist Deutschland wirklich das „queerste Land“ Europas? Es gibt eine neue Statistik zu diesem Thema.

Vorab: Niemand weiß wie viele Schwule, Lesben und Transpersonen es auf der Welt gibt. Die Zahlen sind geschätzt und ändern sich laufend und sind widersprüchlich. 1948 wurde die Kinsey-Studie in Auftrag gegeben und seitdem sprechen alle immer von ca. zehn Prozent der Bevölkerung. Ist diese Zahl eine falsche Interpretation dieser Studie?

Jetzt veröffentlichte das Berliner Meinungsforschungsinstitut DALIA RESEARCH die Ergebnisse der neuen europaweiten Umfrage. Diese Ergebnisse sollen mehr Aufklären und unsere sexuellen Vorlieben ans Tageslicht bringen.

Hierzu wurden im August 2020 fast 12.000 Europäer mit Hilfe web-basierte Geräte im Rahmen einer Umfrage befragt. Diese Umfrage wird vier Mal im Jahr stattfinden und wird von der Oxford University und der Bertelsmann Stiftung genutzt.

Und diese Studie kommt zu dem Ergebnis: Deutschland ist das „queerste“ Land Europas.

7,4% der befragten Deutschen definieren sich als LGBT*


Vor 20 Jahren kam eine Umfrage noch zu ganz anderen Werten. Denn damals gaben insgesamt 1,3% der befragten Männer an sich als schwul und 0,6% der Frauen als lesbisch zu bezeichnen. Zur Bisexualität gab es keine Zahlen, genauso wenig zu Trans-Personen.

Die neue Umfrage lautet anders. Alle Befragten sollten angeben, ob sie sich als LGBT* identifizieren und eine Frage beantworten: "Welche der folgenden Antworten beschreibt deine momentane sexuelle Orientierung am besten: nur heterosexuell; hauptsächlich heterosexuell, ab und zu homosexuell; sowohl homo- als auch heterosexuell; hauptsächlich homosexuell, ab und zu heterosexuell; homosexuell; asexuell; keine Antwort."

Im europäischen Durchschnitt bezeichnen sich 5,9% der Befragten als LGBT* und sogar 8,6% der Befragten antworten, dass sie nicht ausschließlich heterosexuell sind.

Erheblich mehr sind es in Deutschland: 10,9% sehen sich als nicht ausschließlich heterosexuell. Insgesamt 6,8% gaben an, sowohl heterosexuelle als auch homosexuelle Neigungen zu haben. Wenn man sich das Ganze nach Geschlechtern getrennt anschaut, sehen sich 8,4% der Frauen und 6,4% der Männer als LGBT*. Frauen scheinen grundsätzlich ein kleineres Problem damit zu haben, homo- oder bisexuellen Sex zu haben als heterosexuelle Männer.

Aber was heißt das nun? Eigentlich nichts, denn die wirkliche Zahl von LGBT* weiß keiner. Vielleicht ist das auch gut so, denn warum muss man es wissen wieviel es von uns gibt?

Verlassen wir uns weiterhin auf unseren Gaydar. (Was bedeutet „Gaydar“? Es ist ein Kofferwort aus den Teilen Gay und Radar. Es bezeichnet die Eigenschaft, Schwule oder Lesben zu erkennen. Tatsächlich basieren die Ergebnisse auf dem intuitiven Zusammenspiel weitgehend vorbewusster Eindrücke verschiedener Sinnesorgane. Der Begriff wird wie ein fiktives Sinnesorgan oder Messinstrument verwendet, das ausschlägt, sobald man Homosexuelle zu erkennen glaubt.)


Zahlen aus Pfaffenhofen

Am 31.12.2019 waren in Pfaffenhofen genau 26.497 Einwohner gemeldet

Diese Zahlen gehen aus der aktuellen Einwohnerstatistik hervor, die dem Bürgerbüro vorliegt.

Wenn man rechnerisch vorgeht und die Statistik vom Meinungsforschungsinstitut DALIA RESEARCH hinzuzieht, leben in Pfaffenhofen ca. 1.961 LGBT*.



Gleichgeschlechtliche Ehe

Seit dem 01. Oktober 2017 haben gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland das Recht auf Eheschließung. Vorher durften gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland lediglich eine eingetragene Lebenspartnerschaft schließen. Im ersten vollständigen Jahr 2018, in dem die Eheschließung möglich war, haben rund 37.000 gleichgeschlechtliche Paare geheiratet. Diese Zahlen wurden veröffentlicht von STATISTA RESEARCH DEPARTMENT am 05.05.2020. Laut dieser Statistik waren es ca. 22.000 schwule und ca. 15.000 lesbische Paare, die sich das „Ja-Wort“ gegeben haben.







Regenbogenfamilien

Regenbogenfamilien werden in Deutschland gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern genannt. Diese Familienform kommt in einer Statistik noch relativ selten vor. Eine genaue Schätzung ist aufgrund der Datenlage sehr schwierig. Unter den Regenbogenfamilien sind Adoptiv- und Pflegefamilien ebenso zu finden wie Familien, deren Kinder aus einer heterosexuellen Partnerschaft stammen.

2016 bildeten etwa 95.000 gleichgeschlechtliche Paare einen gemeinsamen Haushalt. Etwa vielleicht jede Zehnte dieser Partnerschaften kann als Regenbogenfamilie im engeren Sinn bezeichnet werden, da hier zum Befragungszeitpunkt mindestens ein lediges Kind im Haushalt der Männer- oder Frauenpaare lebte. Rund 14.000 Kinder waren 2016 in Deutschland Teil einer solchen Regenbogenfamilie

Quelle: Statistischen Bundesamtes



Gehälter

Laut Studie liegt der durchschnittliche Bruttostundenlohn bei:

18,00 Euro heterosexuelle Männer

16,44 Euro lesbische Frauen

16,40 Euro homosexuelle Männer

14,40 Euro heterosexuelle Frauen

Die Unterschiede blieben auch, wenn die Unterschiede in Qualifikation, beruflicher Position, Erfahrung, Branchen und Arbeitszeitmodellen berücksichtigt würden. Der Abstand zwischen Homo- und Hetero-Männern steigt sogar auf mehr als zwei Euro, wenn die höhere Schulbildung von Schwulen und Bi eingerechnet wird. Nach dem vielfach dokumentierten „Gender Pay Gap“ des Lohnabstands zwischen Männern und Frauen gebe es folglich auch einen „Sexuality Pay Gap“ von „bedeutsamem Umfang“, die schwulen und bisexuellen Männer betreffe.

Quelle: Wirtschaftsforschungsinstitut DIW, Berlin

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