Queer in Deutschland


Von der Sodomie bis zur Ehe … so könnte man die Geschichte der Homosexualität in Deutschland beschreiben

1532

Im aus heutiger Sicht ersten Strafgesetzbuch Deutschlands, der unter Kaiser Karl V. beschlossenen „Constitutio Criminalis Carolina (vom lateinischen Original ins Deutsche übersetzt: Peinliche Gerichts- oder Peinliche Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V.) stand in Paragraf §116 zu lesen:

"So ein mensch mit einem Viehe, Mann mit Mann, Weib mit Weib Vnkeusch treibenn, die habenn auch das lebenn verwurckt, Vnd man solle sy, der gemeynen gewohheyt nach, mit dem feure vom lebenn zum tode richtenn".

Demnach wurde gleichgeschlechtliche Liebe mit Sodomie gleichgesetzt und mit dem Feuertod bestraft.

1871

mit dem „Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich“, wurde erstmals nach der „Constitutio Criminalis Carolina“ wieder ein einheitliches Strafrecht in Deutschland eingeführt. Es war die Geburtsstunde des Paragrafen §175, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts im ganzen Kaiserreich unter Strafe stellte.

„Die widernatürliche Unzucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts oder von Menschen mit Thieren begangen wird, ist mit Gefängniß zu bestrafen; auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden“.

1897

wurde Magnus Hirschfeld zum Mitbegründer des "Wissenschaftlich- humanitären Komitees" und hatte somit maßgeblichen Anteil daran, dass der Reichstagsausschuss 1929 für die Abschaffung des Paragrafen §175 stimmte. Das geistige Klima in der Weimarer Republik ließ zu, dass die Forderungen von Hirschfeld und seinen Verbündeten Gehör fanden.

1933

der radikale gesellschaftliche und politische Umbruch durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten brachte dieser Bewegung das abrupte Ende.

1935

verschärfte das Hitler-Regime den Paragrafen 175, der von nun an nicht mehr nur "beischlafähnliche" sondern jegliche Art von homosexuellen Handlungen mit Freiheitsentzug bestrafte. Nur ein Kuss oder ein Blickkontakt konnte bis zu fünf Jahre Haft nach sich ziehen.

1940

ordnete der Leiter der Schutzstaffel (SS), Heinrich Himmler die Verschleppung aller verurteilten Homosexuellen in Konzentrationslager (KZ) an. Nur eine "freiwillige" Kastration konnte diese Maßnahme verhindern, weshalb sich viele Männer notgedrungen dafür entschieden, sich die Hoden entfernen zu lassen.

1942

wurden Zwangskastrationen im KZ eingeführt. Das Erkennungszeichen der Homosexuellen im Lager war der rosa Winkel, der auf ihre Anstaltskleidung genäht wurde.

Hitlers Politik zerstörte alle Emanzipationsbewegungen, die in der Weimarer Republik entstanden waren. Bis in die Nachkriegsjahre war kein Hauch mehr von Hirschfelds damaligen Erfolgen zu spüren. Homosexuelle wurden weiterhin als Randgestalten der Gesellschaft wahrgenommen und immer noch bestrafte das Gesetz homosexuelle Handlungen mit Freiheitsentzug.

1969

kam es zum legendären Stonewall-Aufstand in New York, der bis heute weltweit als Auslöser für die neue Schwulen- und Lesbenbewegung gilt. Im Jahr des Stonewall-Aufstands lockerte sich auch der Paragraf §175 in Deutschland, indem der homosexuelle Kontakt zwischen erwachsenen Personen straffrei wurde.

1994

wurde – nach mehr als 120 Jahren – der Paragraf §175 im deutschen Strafgesetzbuch endgültig gestrichen.

2001

die "eingetragene Lebenspartnerschaft" wird eingeführt. Allerdings werden homosexuelle Paare dadurch rechtlich nicht mit heterosexuellen gleichgestellt.

2005

eingetragene Lebenspartner dürfen das leibliche Kind des Partners als Stiefkind annehmen. Von einem Partner bereits adoptierte Kinder sind von dieser Regelung ausgenommen.

2013

entschied das Bundesverfassungsgericht, dass die Homo-Ehe mit der klassischen Ehe gleichgestellt sein soll. Ehegattensplitting war nun auch für Schwule und Lesben möglich und konnte rückwirkend zum Jahr 2001 in Anspruch genommen werden. Ebenso entschieden die Verfassungsrichter, dass auch die Sukzessiv Adoption für gleichgeschlechtliche Paare möglich ist: Hat also ein Partner ein Kind adoptiert, darf auch sein eingetragener Lebenspartner es adoptieren.

2017

Gleichgeschlechtliche Paare können endlich eine zivilrechtliche Ehe eingehen, mit den gleichen Rechten und Pflichten wie heterosexuelle Paare. Das beinhaltet auch das uneingeschränkte Adoptionsrecht, das es schwulen und lesbischen Ehepartnern nun erlaubt, auch gemeinsam ein Kind zu adoptieren.

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