Out at work

Aktualisiert: Nov 17


Foto: Commerzbank AG / Adobestock

10.08.2020 | TEXT: MYRA SCHMITT, SARAH SCADUTO


Unsere Kollegen Norbert März und Norman-Kevin Ritz beschreiben, wie sie ihr „Out at work“ und das LGBT*IQ-Netzwerk ARCO gestärkt haben. März ist als Spezialist Banking Service in München, Ritz als Compliance-Spezialist in Frankfurt tätig.


Vor gut elf Jahren hatte ich, Norbert März, mein Outing. Damals wollte ich den Menschen in meinem beruflichen und privaten Umfeld einfach erzählen, warum ich nicht mehr von einer Frau, sondern einem Mann an meiner Seite spreche. Schön ist, dass man mir in der Bank nie das Gefühl gegeben hat, dass meine sexuelle Orientierung ein Thema wäre. Zusätzlich gestärkt hat mich der Kontakt zu ARCO. Zu dem LGBT*IQ-Netzwerk (Anmerkung der Redaktion: LGBT*IQ steht für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans, Intersexuell und Queer) kam ich kurz nach meinem Outing. Es gab mir zusätzliche Sicherheit und hat mir gezeigt, dass ich nicht alleine bin.


Offener Umgang mit dem Schwulsein


In meinem bisherigen Leben kannte ich nur wenige LGBT*IQs. Doch beim zehnjährigen Jubiläum von ARCO stand ich im Foyer des Commerzbank-Towers und stellte erstaunt fest, wie viele wir in der Commerzbank sind. Diese Erfahrung und meine Kontakte zu ARCO haben meinen Horizont enorm erweitert. Es fällt mir seitdem leicht, mein Leben offen als schwuler Mann zu leben.


Norbert März (r.) mit Ehemann (l.) Foto: Privat

Sichtbarkeit und Aufklärung auch im privaten Umfeld


Auch an meinem Wohnort Pfaffenhofen an der Ilm setze ich mich zusammen mit meinem Ehemann für LGBT*IQ-Themen ein. Hier gibt es noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten und wir wollen für Sichtbarkeit der LGBT*IQ-Community sorgen.

Wir waren das erste gleichgeschlechtliche Paar, das in Pfaffenhofen geheiratet hat. Bei unserer Hochzeit haben wir bewusst die Presse und das Regionalfernsehen einbezogen, um den LGBT*IQs hier Mut zu machen. Dadurch wurden wir schnell relativ bekannt im Landkreis, was wir auch zum Vorteil für die Community nutzen wollen. Dabei stellen wir immer wieder fest, dass der Kreis der Unterstützer größer ist als der der Kritiker.


LGBT*IQ-Engagement über Ländergrenzen hinweg


Bei unserer Kandidatur für den Stadtrat haben wir ein sehr gutes Ergebnis verzeichnet, wenngleich es nicht ganz gereicht hat. Unsere Themen wurden dennoch in den Koalitionsvertrag des Stadtrats aufgenommen. Dazu gehört beispielsweise, sich für ein queer-freundliches Pfaffenhofen einzusetzen und queere Themen ins Pfaffenhofener Kulturprogramm aufzunehmen.

Mit Freunden und Freundinnen aus der Community haben wir zwischenzeitlich das Netzwerk „Queer-Pfaffenhofen“ gegründet. Es gab bereits eine erfolgreiche LGBT*IQ -Party, wir haben einen queeren Stammtisch ins Leben gerufen und das Rathaus wurde zum IDAHOBIT, dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie, in Regenbogenfarben angestrahlt. Ganz aktuell planen wir gemeinsam mit der Stadt eine Regenbogen-Parkbank.

Durchaus politisch und international ist darüber hinaus unser Einsatz für unsere polnische Partnergemeinde Tarnów bei ihrem Kampf gegen die „LGBT-freien Zonen“ in Polen. Wir haben im Kreistag für diese Problematik sensibilisiert, so dass man sich dort nun auch inhaltlich damit beschäftigt und wir gemeinsam nach Wegen suchen, die polnische Community zu unterstützen.


Norman-Kevin Ritz Foto: Privat

Neue Kraft dank Outing


In meiner Zeit bei der Commerzbank konnte ich, Norman-Kevin Ritz, diverse Erfahrungen in unterschiedlichen Positionen sammeln. Wie ich manchmal gerne sage, bin ich ein schwuler, schwarzer Linkshänder und auf all das sehr stolz. Allerdings hatte ich es dadurch schwieriger, in der Gesellschaft Akzeptanz zu finden und musste dafür hart arbeiten. Durch ARCO habe ich die Stärke gefunden, mich auf der Arbeit zu outen und auch hier zu sein, wer ich wirklich bin. Es ist wahr, dass man durch ein Outing Ressourcen freilegt, die man sonst für sein „Versteckspiel“ gebrauchen würde. Diese neu gewonnene Energie habe ich nicht nur in meinen Arbeitsalltag einfließen lassen, sondern sie auch aktiv bei ARCO eingebracht. Dort war ich unter anderem als stellvertretender Sprecher tätig, um Kolleginnen und Kollegen dabei zu unterstützen, die Stärke zu finden, zu sich selbst zu stehen.


Soziales Engagement für die Rechte von Queeren


Da ich eine Multirandgruppe verkörpere, habe ich bereits die eine oder andere Anfeindung erleben müssen. Dies hat mich jedoch in meinem Charakter gestärkt und umso mehr ermutigt, mich sozial zu engagieren und für eine offene und vielfältige Gesellschaft stark zu machen. Seit 2017 bin ich aktives Mitglied bei der Regenbogen-Crew, der Aids-Hilfe Frankfurt. Aber auch in weiteren Initiativen, die wir teilweise selbst ins Leben gerufen haben, setzen wir uns für die Rechte von queeren Menschen ein. So zum Beispiel beim IDAHOBITA, dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Trans-, Asexuellenphobie, oder dem Lauf für mehr Zeit der Aids-Hilfe Frankfurt.


Vaterfreuden


Daneben engagiere ich mich ehrenamtlich als Jugendbetreuer in meinem Heimatort in der Nähe von Gelnhausen. Hier stellen wir jedes Jahr ein Sommerferienprogramm für Kinder zwischen 10 und 14 Jahren auf die Beine. Da ich selbst relativ jung Onkel geworden bin und bereits während meiner Schulzeit mit einem Freund einen Jugendraum gegründet und geleitet habe, liegen mir Kinder sehr am Herzen. Ich freue mich umso mehr darüber, nun auch selbst Vater zu sein. Mein Sohn Luciano ist im Juni 2020 auf die Welt gekommen. Er ist mein ganzer Stolz. Diesen Kinderwunsch habe ich mir zusammen mit einem lesbischen Paar erfüllt. Wir sind alle sehr glücklich, dass dieser kleine Mann nun unser Leben bereichert.

veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Commerzbank AG

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