Image by Mercedes Mehling
 

Alles begann am 28. Juni 1969 um 1:20 Uhr, als die New Yorker Polizei in das „Stonewall Inn“ stürmte. Das „Stonewall Inn“ war ohne Alkohollizenz in der Christopher Street 51-53 in Manhattan in Betrieb. Die Alkoholbehörde des Bundesstaates New York vergab keine Lizenzen an Einrichtungen, die schwule Gäste bewirteten. Obwohl die Polizeibeamten dafür bezahlt wurden, diese Indiskretion zu ignorieren, kamen sie mit einem Haftbefehl und begannen, die Feiernden in der Bar zu verhaften, jedoch die gerufenen Streifenwagen kamen nicht an. Die Gäste des „Stonewall Inn“ mussten in Handschellen vor der Bar warten, was eine große Menschenmenge anzog.

Eine Frau in Handschellen wurde von einem Beamten auf den Kopf geschlagen. Sie flehte die Menge an, „etwas zu tun“. Sie reagierten darauf, indem sie die Polizei mit Pennys und anderen Gegenständen bewarfen. Als die Menge Hunderte von Menschen erreichte, kam es zu einem regelrechten Aufruhr. Zehn Polizeibeamte verbarrikadierten sich in der Stonewall Bar. Die Menge zündete die Barrikade an.

Die Feuerwehr und weitere Polizei wurden hinzugezogen. Sie löschten die Flammen, retteten die Beamten innerhalb vom Stonewall und zerstreuten die Menge, aber das dauerte nicht lange. In den nächsten sechs Tagen gingen die Demonstrationen vor der Bar weiter, als Tausende von Menschen auftauchten, um ihre Solidarität mit der LGBT-Gemeinschaft zu bekunden.

Das „Stonewall Inn“ war eine wichtige LGBT-Einrichtung. Für relativ wenig Geld konnten Drag Queens (die in anderen Bars einen bitteren Empfang erhielten), Ausreißer, obdachlose LGBT-Jugendliche und andere die Nacht verbringen und sogar tanzen. Der gewalttätige Angriff auf diese heilige Bar, die viele als ihr Zuhause bezeichneten, war die Bruchstelle für diejenigen, die den politischen LGBT-Aktivismus vorantreiben wollten.

Die Stonewall-Unruhen, wie sie bekannt wurden, machten eines deutlich: Die LGBT-Bewegung musste lauter und sichtbarer werden. Es würde sich nichts ändern, wenn sie ihre passive, nicht bedrohliche Taktik fortsetzen würden. Sie mussten sich organisieren.

Fünf Monate nach den Unruhen schlugen die Aktivisten Craig Rodwell, seine Partnerin Fred Sargeant, Ellen Brody und Linda Rhodes auf der Eastern Regional Conference of Homophile Organizations (ERCHO) in Philadelphia eine Resolution vor, um in New York City einen Marsch zum Gedenken an den einjährigen Jahrestag der Razzia zu veranstalten. Ihr Vorschlag war ein jährlicher Marsch am letzten Samstag im Juni, „ohne Kleidungs- oder Altersregeln“. Dies war eine drastische Änderung gegenüber den damaligen Methoden, die von LGBT-Aktivisten angewandt wurden, die Spaziergänge und Mahnwachen in Stille mit einer vorgeschriebenen Kleiderordnung veranstalteten: Männer in Jackett und Krawatte und Frauen in Kleidern.

Während der Vorschlag für einen Marsch angenommen wurde, war es die Basisaktivistin Brenda Howard, die den Marsch geplant hat.

Die in der Bronx geborene und auf Long Island aufgewachsene, offen bisexuelle Howard war in den turbulenten 60er Jahren in der Antikriegs- und Frauenbewegung aktiv. Sie scheute sich nicht davor, eine Erklärung abzugeben, und sie war für ihre Kampagnen und ihre Organisation bekannt. Bei einem Treffen in Craig Rodwells Wohnung und Buchhandlung (dem Oscar-Wilde-Buchladen in der Christopher Street) wurden die Details für die erste NYC Pride Parade, damals bekannt als der Christopher Street Liberation Day March, ausgearbeitet. Mit Hilfe der Oscar-Wilde-Mailingliste gelang es, die Nachricht zu verbreiten. Es war auch Howards Idee, die Feierlichkeiten in eine einwöchige Feier zu verwandeln, etwas, dass viele Städte bis heute tun.

L. Craig Schoonmaker war Teil des Planungsausschusses für den Christopher Street Liberation Day March. Als sie nach einem Slogan für die Veranstaltung suchten, war es Schoonmaker, der „Pride“ vorschlug.

Die Idee von „Gay Power“ wurde herumgeworfen, aber Schoonmaker sagte, dass es Schwulen an wirklicher Macht fehle, um Veränderungen zu bewirken.

Aber eine Sache, die sie hatten, war ihr Stolz. In einem Interview mit „The Allusionist“ aus dem Jahr 2015 erklärte Schoonmaker: „Viele Menschen waren sehr unterdrückt, sie waren innerlich zerrissen und wussten nicht, wie sie sich outen und stolz sein sollten. So war die Bewegung am nützlichsten, denn sie dachten: ‚Vielleicht sollte ich stolz sein‘. Der offizielle Sprechgesang für den Marsch lautete: “ Say it loud, gay is proud „.

Alle ihre Bemühungen kamen am 28. Juni 1970, dem einjährigen Jahrestag der Steinmauerunruhen, zum Tragen. Der Marsch erstreckte sich über 51 Blöcke westlich der Sixth Avenue am Waverly Place in Greenwich Village bis hin zu Sheep’s Meadow im Central Park, wo Aktivisten ein „Gay-in“ veranstalteten. Der „Gay-in“, der sich eine von der Bürgerrechtsbewegung populär gemachte Technik entlehnt hatte, war sowohl ein Protest als auch eine Feier. Die Titelseite der New York Times lautete: „Tausende von Homosexuellen veranstalten eine Protestkundgebung im Central Park“.

Es gab keine Festwagen, keine Musik, die durch die Straßen dröhnte, keine spärlich bekleideten Tänzer: Dies war eine politische Aussage und ein Test – was würde passieren, wenn LGBT-Bürger sichtbarer würden? Obwohl die Schätzungen der Zuschauerzahlen von 1.000 bis 20.000 sehr unterschiedlich ausfielen, blieb eines klar – es hatte noch nie zuvor eine solche Demonstration gegeben.

Chicago ging 1970, am Tag vor New York, tatsächlich auf die Straße. Die Stadt feierte den einjährigen Jahrestag der Stonewall-Unruhen mit einer einwöchigen Feier, die einen Gay-Dance, Workshops und Reden umfasste. Die einwöchigen Feierlichkeiten endeten damit, dass etwa 150 Menschen vom Washington Square Park zum Wasserturm an der Kreuzung der Avenue von Michigan und Chicago marschierten, wobei einige von ihnen zum Civic Center weiterzogen. Der offizielle Slogan der von der Schwulenbefreiungsbewegung organisierten Feierlichkeiten lautete „Gay Power“. Am nächsten Tag brachte die Chicago Tribune auf der dritten Seite eine 75 Wörter umfassende Geschichte mit der Überschrift „Gay Liberation Stage March to Civic Center“.

Am selben Tag wie New York ging die LGBT-Gemeinschaft des Großraums Los Angeles zum Hollywood Boulevard, um ihren Stolz zu zeigen. Der Marsch fand fast nicht statt. Nach der Beantragung einer Genehmigung wurde den Organisatoren, der Christopher Street West Association, das Recht auf den Marsch gewährt, solange sie Gebühren von mehr als 1,5 Millionen Dollar zahlten. Es bedurfte der Einmischung der ACLU, um sicherzustellen, dass Pride in LA ohne übermäßige, diskriminierende Kosten weitergehen würde.

Heute rühmt sich Los Angeles damit, „die weltweit erste erlaubte Parade zu haben, die sich für die Rechte von Schwulen einsetzt“.

In Deutschland dauerte es noch bis 1979, ehe Homo- und Transsexuelle mit einer öffentlichen Demonstration auf ihre Situation aufmerksam machten. Sie litten besonders unter dem Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter strenge Strafe stellte. In Berlin und Bremen fanden die ersten Demonstrationen statt.

Am Berliner Savignyplatz trafen sich etwa 450 Schwule und Lesben, anschließend spazierten sie geschlossen über den Kurfürstendamm.

Image by Jordan McDonald
 

Was bedeutet eigentlich....

LGBT+

Ein Sammelbegriff, der alle sexuellen Orientierungen und Gender außerhalb der Heterosexualität einschließt

L    (lesbian, lesbisch)

 (gay, schwul)

B   (bisexuell)

T   (transsexuell, transgeschlechtlich)

+   I (intersexuell, intergeschlechtlich)

+  Q (Queer)

+  * (Gendersternchen, welches alle Geschlechtsidentitäten einbezieht)

auch gebräuchlich: LGBT, LSBT, LGBTI, LSBTI, LGBTQ, LSBTQ

queer

In der Vergangenheit überall auf der Welt eher als Schimpfwort für Homosexuelle verwendet, kann ich mich heute stolz als „queer“ bezeichnen, wenn ich nicht dem heteronormativen Bild entspreche. Ich verwende es als Sammelbegriff für alle Personen, die nicht der heterosexuellen Geschlechternorm entsprechen.

Gender

Bezeichnet mein soziales Geschlecht, im Hinblick auf meine Selbstwahrnehmung, mein Selbstwertgefühl oder mein Rollenverhalten.

Während im Deutschen „Geschlecht“  ein sehr umfassender Begriff ist und sich u. a. auf das biologische, das gesellschaftliche oder gar das Adelsgeschlecht beziehen kann, benennt das englische „gender“ präzise die gesellschaftliche, also die soziale Dimension von Geschlecht. Gemeint sind damit die kulturspezifisch wie historisch variablen Rollen, Erwartungen, Werte und Ordnungen, die an das jeweilige bei der Geburt zugewiesene Geschlecht geknüpft sind. Wie sich diese soziale Dimension gestaltet, ist abhängig von der jeweiligen Kultur (wie Geschlecht mit Leben gefüllt wird, wie viele Geschlechter es gibt) und der historischen Entwicklung (z.B. Männlichkeit heute im Vergleich zum Mittelalter).

(Quelle: www.uni-due.de/genderportal/gender)

Sexuelle Orientierung

  • AROMANTISCH

    Ich empfinde anderen gegenüber keine romantische Anziehung, kann aber sexuelle Anziehung verspüren.

  • ASEXUELL

    Ich verspüre keine oder nur eine sehr geringe sexuelle Anziehung anderen gegenüber.

  • BISEXUELL

    Ich habe sowohl hetero- als auch homosexuelle Neigungen und Beziehungen.

  • DEMISEXUELL

    Ich fühle mich zu einem Menschen erst sexuell hingezogen, wenn ich zu diesem Menschen eine tiefe und vertrauensvolle Beziehung aufgebaut habe.

  • HETEROSEXUELL

    Ich fühle mich von Menschen des anderen Geschlechts sexuell angezogen.

  • HOMOSEXUELL

    Ich fühle mich zu Menschen des gleichen Geschlechts hingezogen.

  • LESBISCH

    Ich fühle mich als Frau zu anderen Frauen sexuell hingezogen.

  • PANSEXUELL

    Ich fühle mich zu Menschen jeden Geschlechts sexuell hingezogen.

  • POLYSEXUELL

    Ich fühle mich zu Menschen mehrerer, aber nicht aller Geschlechter, sexuell hingezogen.

  • SCHWUL

    Ich fühle mich als Mann zu anderen Männern sexuell hingezogen.

  • STRAIGHT-ALLIE

    Ich bin ein heterosexueller Verbündeter, der die LGBT+ Community unterstützt und sich für sie einsetzt.

geschlechtliche Identitäten

  • AGENDER

    Ich fühle mich keinem Geschlecht zugehörig (geschlechtslos).

  • CISGENDER

    Meine Geschlechtsidentität bzw. Gender stimmt mit dem mir bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht überein.

  • GENDERFLUID

    Meine Geschlechtsidentität wandelt sich oder schwankt.

  • INTERSEXUELL

    Meine Geschlechtsmerkmale sind bei der Geburt nicht eindeutig weiblich oder männlich.

  • NICHT-BINÄR

    Meine Geschlechtsidentität ist weder immer weiblich noch immer männlich.

  • TRANSSEXUELL

    Meine  Geschlechtsidentität oder Gender stimmt nicht mit dem mir bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht überein.

20150521_0142_Wien.jpg
 

Das Wort Homophobie setzt sich aus zwei altgriechischen Wörtern zusammen.

 

homòs = „gleich“

phòbos = „Angst“

 

Der Begriff Homophobie weist demnach auf Angst als Ursache des ablehnenden Verhaltens hin.

 

 „Homophobie“ als Wort wurde in den 20er Jahren in der gemischten lateinisch-griechischen Zusammensetzung als „Angst vor dem Mann“ verwendet.

 

1965 wurde das Wort zum ersten Mal vom US-amerikanischen Psychotherapeuten Georg Weinberg verwendet.

Er sagte zu Gregory M. Herek (eine international anerkannte Autorität in Fragen sexueller Minderheiten, einschließlich Stigmatisierung, Vorurteilen und Gewalt aufgrund der sexuellen Orientierung) im Interview: „Ich prägte das Wort ‚homophobia‘, um auszudrücken, dass es eine Furcht vor Homosexuellen war … Es war eine Furcht vor Homosexuellen, die mit einer Furcht vor Verseuchung verbunden zu sein schien, einer Furcht davor, die Dinge für die man kämpfte – Heim und Familie – abzuwerten. Es war eine religiöse Furcht und es hatte zu großer Unmenschlichkeit geführt, wie es die Furcht immer macht.“

 

1997 verwendete der Soziologe und Männerforscher Michael Kimmel in einer Zusammensetzung und meinte damit die aktuelle ultimative Angst eines Mannes vor anderen Männern, dass sie ihn als zu wenig maskulin bloßstellen würden.

 

Hinter Homophobie in den verschiedenen Formen stehen neben emotionaler, ausgeprägter Abwehr Vorurteile und Fehlannahmen gegenüber Schwulen und Lesben, die Befürwortung von Diskriminierung bis hin zu äußerstem Hass und körperlicher Gewalt.

 

In allen Ländern dieser Erde ist es bekannt, dass Homosexuelle nur wegen ihrer sexuellen Orientierung ermordet oder schwer verletzt werden. In einigen Staaten ist die Tötung von Homosexuellen sogar staatlich organisiert: In fünf islamischen Ländern werden homosexuelle Handlungen unter Männern mit dem Tode bestraft.

 

Es lässt sich aber unter Erwachsenen in Deutschland im letzten Jahrzehnt feststellen, dass Homophobie in der deutschen Gesellschaft zurückgegangen ist.  Die positive Darstellung in den Medien trägt dazu bei. Ein äußerst wichtiger Punkt sind die verschiedenen Aufklärungskampagnen der vielen Organisationen und Vereinen. Die Visualisierung im Alltags- und Berufsleben von homosexuellen Politikern, Schauspielern, Künstler, Sportler und den „einfachen“ Menschen/Paaren sind im Kampf gegen Homophobie ein wichtiger Bestandteil. Ebenso die geänderte Gesetzeslage und Rechtsprechung zur Verfassungsmäßigkeit z.B. mit der Homo-Ehe.

Die Initiative ENOUGH is ENOUGH! OPEN YOUR MOUTH! ist ein Aktionsnetzwerk, welches sich mit ihren Aktionen gegen homophobe und trans*phobe Diskriminierung stellt.

Stop%20Homophobia_edited.png

Eine großartige Aktion bei CSDs:

Ein 40 Meter langer Flaggenteppich, der durch die Innenstädte getragen wird, ist eine Mahnung an alle CSD-Teilnehmer, dass in fast 70 Ländern LGBTI* auf Grund ihrer Liebe strafrechtlich verfolgt werden. In 15 Ländern droht Homosexuellen sogar die Todesstrafe, in einem Land droht die Steinigung.

Das Video der Bundeszentrale für politische Bildung veranschaulicht den Begriff "Homophobie" sehr klar:

Queer Deutschland.jpg
 

Von der Sodomie bis zur Ehe … so könnte man die Geschichte der Homosexualität in Deutschland beschreiben

 

 

1532

Im aus heutiger Sicht ersten Strafgesetzbuch Deutschlands, der unter Kaiser Karl V. beschlossenen „Constitutio Criminalis Carolina (vom lateinischen Original ins Deutsche übersetzt: Peinliche Gerichts- oder Peinliche Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V.) stand in Paragraf §116 zu lesen:

"So ein mensch mit einem Viehe, Mann mit Mann, Weib mit Weib Vnkeusch treibenn, die habenn auch das lebenn verwurckt, Vnd man solle sy, der gemeynen gewohheyt nach, mit dem feure vom lebenn zum tode richtenn".

Demnach wurde gleichgeschlechtliche Liebe mit Sodomie gleichgesetzt und mit dem Feuertod bestraft.

1871    

mit dem „Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich“, wurde erstmals nach der „Constitutio Criminalis Carolina“ wieder ein einheitliches Strafrecht in Deutschland eingeführt. Es war die Geburtsstunde des Paragrafen §175, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts im ganzen Kaiserreich unter Strafe stellte.

„Die widernatürliche Unzucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts oder von Menschen mit Thieren begangen wird, ist mit Gefängniß zu bestrafen; auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden“.

 

1897    

wurde Magnus Hirschfeld zum Mitbegründer des "Wissenschaftlich- humanitären Komitees" und hatte somit maßgeblichen Anteil daran, dass der Reichstagsausschuss 1929 für die Abschaffung des Paragrafen §175 stimmte. Das geistige Klima in der Weimarer Republik ließ zu, dass die Forderungen von Hirschfeld und seinen Verbündeten Gehör fanden.

 

1933    

der radikale gesellschaftliche und politische Umbruch durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten brachte dieser Bewegung das abrupte Ende.

 

1935    

verschärfte das Hitler-Regime den Paragrafen 175, der von nun an nicht mehr nur "beischlafähnliche" sondern jegliche Art von homosexuellen Handlungen mit Freiheitsentzug bestrafte. Nur ein Kuss oder ein Blickkontakt konnte bis zu fünf Jahre Haft nach sich ziehen.

 

1940    

ordnete der Leiter der Schutzstaffel (SS), Heinrich Himmler die Verschleppung aller verurteilten Homosexuellen in Konzentrationslager (KZ) an. Nur eine "freiwillige" Kastration konnte diese Maßnahme verhindern, weshalb sich viele Männer notgedrungen dafür entschieden, sich die Hoden entfernen zu lassen.

 

1942    

wurden Zwangskastrationen im KZ eingeführt. Das Erkennungszeichen der Homosexuellen im Lager war der rosa Winkel, der auf ihre Anstaltskleidung genäht wurde.

Hitlers Politik zerstörte alle Emanzipationsbewegungen, die in der Weimarer Republik entstanden waren. Bis in die Nachkriegsjahre war kein Hauch mehr von Hirschfelds damaligen Erfolgen zu spüren. Homosexuelle wurden weiterhin als Randgestalten der Gesellschaft wahrgenommen und immer noch bestrafte das Gesetz homosexuelle Handlungen mit Freiheitsentzug.

 

1969    

kam es zum legendären Stonewall-Aufstand in New York, der bis heute weltweit als Auslöser für die neue Schwulen- und Lesbenbewegung gilt. Im Jahr des Stonewall-Aufstands lockerte sich auch der Paragraf §175 in Deutschland, indem der homosexuelle Kontakt zwischen erwachsenen Personen straffrei wurde.

 

1994    

wurde – nach mehr als 120 Jahren – der Paragraf §175 im deutschen Strafgesetzbuch endgültig gestrichen.

 

2001    

die "eingetragene Lebenspartnerschaft" wird eingeführt. Allerdings werden homosexuelle Paare dadurch rechtlich nicht mit heterosexuellen gleichgestellt.

 

2005    

eingetragene Lebenspartner dürfen das leibliche Kind des Partners als Stiefkind annehmen. Von einem Partner bereits adoptierte Kinder sind von dieser Regelung ausgenommen.

 

2013    

entschied das Bundesverfassungsgericht, dass die Homo-Ehe mit der klassischen Ehe gleichgestellt sein soll. Ehegattensplitting war nun auch für Schwule und Lesben möglich und konnte rückwirkend zum Jahr 2001 in Anspruch genommen werden. Ebenso entschieden die Verfassungsrichter, dass auch die Sukzessiv Adoption für gleichgeschlechtliche Paare möglich ist: Hat also ein Partner ein Kind adoptiert, darf auch sein eingetragener Lebenspartner es adoptieren.

 

2017    

Gleichgeschlechtliche Paare können endlich eine zivilrechtliche Ehe eingehen, mit den gleichen Rechten und Pflichten wie heterosexuelle Paare. Das beinhaltet auch das uneingeschränkte Adoptionsrecht, das es schwulen und lesbischen Ehepartnern nun erlaubt, auch gemeinsam ein Kind zu adoptieren.

Queer weltweit.jpg
 

Während wir in Deutschland inzwischen schon sehr viel erreicht haben, gibt es noch zu viele andere Länder, in denen die Situation für LGBTIQs schlecht bis katastrophal ist. Es sieht auch leider gerade so aus, als ob es eher schlechter als besser wird.

Russland plant aktuell den Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe, Amerika macht der Diskriminierung von LGBTIQs immer mehr die Tür auf, Polen führt „LGBT-freie Zonen“ ein usw.

In jedem Staat der Welt gibt es LGBTIQs, aber nicht überall lässt es sich damit gut leben. Akzeptanz, Toleranz, Ignoranz, Strafbarkeit, Lebensgefahr … die Bandbreite ist enorm und erschreckend.

Der aktuell veröffentlichte „Spartacus Gay Travel Index 2020“ zeigt auf, dass aktuell in 15 von 202 verglichenen Staaten die Todesstrafe für LGBTIQs droht. In mindestens 45 Staaten wurden im vergangenen Jahr Menschen wegen ihrer Homo- oder Transsexualität ermordet.

Der Spartacus „Gay Travel Index“ erscheint seit 2012 und bewertet 202 Staaten anhand von ca. 20 Kriterien.

Kanada liegt aktuell auf Platz 1, Deutschland auf Platz 10 und das Schlusslicht ist Tschetschenien auf Platz 202.

 

Den kompletten „Spartacus Gay Travel Index 2020“ könnt ihr unter https://spartacus.gayguide.travel/blog/spartacus-gay-travel-index-2020/ nachlesen.

Auch die ILGA (International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association) erstellt jährlich einen „Homophobie-Bericht“. Die ILGA ist der weltweite Dachverband der Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen-, Trans- und Intersexorganisationen. Der aktuelle Bericht (März 2019) kann unter https://ilga.org/ nachgelesen werden.

Ebenso findet man dort eine übersichtliche Weltkarte, die die gesamte Situation darstellt.

GER_ILGA_World_map_sexual_orientation_la
3D-Bälle in Stolzfarben
 

Die Regenbogenfahne ist ein Symbol:

Sie steht weltweit für Aufbruch, Veränderung und Frieden und ist ein Zeichen für Hoffnung, Vielfalt, Toleranz und Akzeptanz.

Ein universelles Symbol für Frieden und Solidarität "PACE" bedeutet auf Italienisch Frieden. Dieses universelle Symbol für Frieden, Solidarität, Schwester- und Brüderlichkeit wurde vor dem Krieg gegen den Irak an Millionen von Häusern und Arbeitsplätzen in ganz Italien (und darüber hinaus) aufgehängt.

 

Diese Flagge ist in der gesamten Europäischen Union und in den USA sehr beliebt geworden.

Der Juni ist seit langem als LGBTQ-Pride-Monat anerkannt, zu Ehren der Stonewall-Unruhen, die im Juni 1969 in New York City stattfanden. Während des Pride-Monats ist es nicht ungewöhnlich, dass die Regenbogenfahne stolz als Symbol für den LGBT+ -Rechtebewegung gezeigt wird. Aber wie wurde diese Flagge zum Symbol der LGBTQ-Bewegung?

 

Es geht auf das Jahr 1978 zurück, als der Künstler Gilbert Baker, ein offen schwuler Mann und eine Drag Queen, die erste Regenbogenfahne entwarf.

 

Baker gab später bekannt, dass er von Harvey Milk, einem der ersten offen schwulen gewählten Beamten in den USA, aufgefordert wurde, ein Symbol des Stolzes für die schwule Gemeinschaft zu schaffen. Baker beschloss, dieses Symbol zu einer Flagge zu machen, weil er Flaggen als das mächtigste Symbol des Stolzes ansah. Später sagte er in einem Interview: „Unsere Aufgabe als schwule Menschen war es, herauszukommen, sichtbar zu sein, in der Wahrheit zu leben, aus der Lüge herauszukommen. Eine Flagge passt wirklich zu dieser Mission, denn auf diese Weise können Sie Ihre Sichtbarkeit verkünden oder sagen: „Das bin ich!“ Baker sah den Regenbogen als natürliche Flagge vom Himmel, also nahm er acht Farben für die Streifen an, jede Farbe mit seiner eigenen Bedeutung (Pink für Sex, Rot für das Leben, Orange für die Heilung, Gelb für das Sonnenlicht, Grün für die Natur, Türkis für die Kunst, Indigo für Harmonie und Violett für Geist)

Harvey Milk wurde im November 1978 in San Francisco ermordet. Zu seinen Ehren wurde die Fahne mit acht Streifen beim Protest- und Trauermarsch verwendet.

Für die Massenproduktion seiner „Gay-Flag“ verhandelte Gilbert Baker mit der Paramount Flag Company. Leider war das Pink nicht industriell herstellbar, darum wurde der Streifen entfernt.

Bei einem Marsch im Jahr 1979 entfernte ein Komitee den türkisfarbenen Streifen. Sie wollten die Fahne in der Mitte teilen um jeweils drei Streifen gleichmäßig auf jeder Straßenseite zu verteilen.

Ab und zu wird ein schwarzer Streifen hinzugefügt. Dieser Streifen soll an die AIDS Problematik erinnern.

In Deutschland wurde die Regenbogenfahne 1996 erstmal an einem öffentlichen Gebäude aufgehängt. Anlässlich des Christopher Street Days zierte die Fahne das Rathaus in Schöneberg. Seit Bürgermeister Klaus Wowereit im Jahr 2001 die Fahne am Roten Rathaus gehisst hat, ist es Tradition, die Fahnen während des CSDs am Roten Rathaus zu sehen.

Image by Rochelle Brown
 

Was ist Travestie?  

Travestie wird abgeleitet vom französischem travesti und bedeutet verkleidet/verkleiden.

Die Travestie ist eine Kunstform der Kleinkunst und bezeichnet die Darstellung einer Bühnenrolle durch Personen des anderen Geschlechts. Der Travestiekünstler legt spätestens in der Garderobe seine Verkleidung ab.

In der griechischen Antike entstand mehr oder weniger schon die erste Travestieform. Hier wurden alle Theaterrollen von Männern gespielt. Im 16. Jahrhundert entwickelte sich in England ein einzigartiges Theaterwesen. Am Anfang waren Frauen auf der Bühne unerwünscht, die weiblichen Rollen wurden von so genannten jungen boy actors gespielt. Erst ab der Mitte des 16. Jahrhunderts übernahmen Frauen weibliche Rollen und arbeiteten als Autorinnen. Frauen in Hosenrollen wurden ab der Mitte der zweiten Hälfte im 17. Jahrhundert modern und beliebt.

Nachdem sich die weibliche Schauspielerin im Laufe der Zeit als fester Bestandteil im Theater durchgesetzt hatte, wandelte sich die männliche Travestie zur Idealisierung oder parodistischen Überzeichnung der Geschlechterrolle.

Die Darbietungen der Künstler gehen von der Schaffung der eigenen Kunstfigur bis hin zur Parodie von Prominenten. Eine sehr große Rolle in den Shows nimmt das humorvolle Spiel mit Musik, Tanz und Gesang ein. Das Imitieren von exzentrischen Diven wird gerne überzogen miteingebaut.

Bei Drag Queens (von Männer dargestellt) und Drag Kings (von Frauen dargestellt) spricht man auch von einer Kunstform der Travestie, die mit Verkleidungen spielt. Allerdings findet diese Form weniger auf der Bühne statt und ist mehr oder weniger dauerhaft im Alltag eingegliedert.

Während ein Travestiekünstler in verschiedene Rollen an einem Abend schlüpft, verkörpern Drag Queens  und -Kings eine feste Rolle. Viele Drags sehen ihren Auftritt als politisches Statement und wollen damit auf das Geschlechtersystem und auf ein „drittes Geschlecht“ aufmerksam machen. Somit sind viele Drags nicht nur schillernde „Diskokugeln“, sondern fungieren als Galionsfigur in der  Homosexuellenbewegung.

Bekannte Künstler  sind z.B.  Olivia Jones, Lilo Wanders, Mary und Gordy, Divine, RuPaul und Dame Edna Everage.

Stock market or forex trading graph and
 

Ist Deutschland wirklich das „queerste Land“ Europas? Es gibt eine neue Statistik zu diesem Thema.

Vorab: Niemand weiß wie viele Schwule, Lesben und Transpersonen es auf der Welt gibt. Die Zahlen sind geschätzt und ändern sich laufend und sind widersprüchlich. 1948 wurde die Kinsey-Studie in Auftrag gegeben und seitdem sprechen alle immer von ca. zehn Prozent der Bevölkerung. Ist diese Zahl eine falsche Interpretation dieser Studie?

Jetzt veröffentlichte das Berliner Meinungsforschungsinstitut DALIA RESEARCH die Ergebnisse der neuen europaweiten Umfrage. Diese Ergebnisse sollen mehr Aufklären und unsere sexuellen Vorlieben ans Tageslicht bringen.

Hierzu wurden im August 2020 fast 12.000 Europäer mit Hilfe web-basierte Geräte im Rahmen einer Umfrage befragt. Diese Umfrage wird vier Mal im Jahr stattfinden und wird von der Oxford University und der Bertelsmann Stiftung genutzt.

 

Und diese Studie kommt zu dem Ergebnis: Deutschland ist das „queerste“ Land Europas.

7,4% der befragten Deutschen definieren sich als LGBT*

Vor 20 Jahren kam eine Umfrage noch zu ganz anderen Werten. Denn damals gaben insgesamt 1,3% der befragten Männer an sich als schwul und 0,6% der Frauen als lesbisch zu bezeichnen. Zur Bisexualität gab es keine Zahlen, genauso wenig zu Trans-Personen.

Die neue Umfrage lautet anders. Alle Befragten sollten angeben, ob sie sich als LGBT* identifizieren und eine Frage beantworten: "Welche der folgenden Antworten beschreibt deine momentane sexuelle Orientierung am besten: nur heterosexuell; hauptsächlich heterosexuell, ab und zu homosexuell; sowohl homo- als auch heterosexuell; hauptsächlich homosexuell, ab und zu heterosexuell; homosexuell; asexuell; keine Antwort."

Im europäischen Durchschnitt bezeichnen sich 5,9% der Befragten als LGBT* und sogar 8,6% der Befragten antworten, dass sie nicht ausschließlich heterosexuell sind.

Erheblich mehr sind es in Deutschland: 10,9% sehen sich als nicht ausschließlich heterosexuell. Insgesamt 6,8% gaben an, sowohl heterosexuelle als auch homosexuelle Neigungen zu haben. Wenn man sich das Ganze nach Geschlechtern getrennt anschaut, sehen sich 8,4% der Frauen und 6,4% der Männer als LGBT*. Frauen scheinen grundsätzlich ein kleineres Problem damit zu haben, homo- oder bisexuellen Sex zu haben als heterosexuelle Männer.

Aber was heißt das nun? Eigentlich nichts, denn die wirkliche Zahl von LGBT* weiß keiner. Vielleicht ist das auch gut so, denn warum muss man es wissen wieviel es von uns gibt?

Verlassen wir uns weiterhin auf unseren Gaydar. (Was bedeutet „Gaydar“? Es ist ein Kofferwort aus den Teilen Gay und Radar. Es bezeichnet die Eigenschaft, Schwule oder Lesben zu erkennen. Tatsächlich basieren die Ergebnisse auf dem intuitiven Zusammenspiel weitgehend vorbewusster Eindrücke verschiedener Sinnesorgane. Der Begriff wird wie ein fiktives Sinnesorgan oder Messinstrument verwendet, das ausschlägt, sobald man Homosexuelle zu erkennen glaubt.)

Einwohnerzahlen.jpg

Zahlen aus Pfaffenhofen

Am 31.12.2019 waren in Pfaffenhofen genau 26.497 Einwohner gemeldet

Diese Zahlen gehen aus der aktuellen Einwohnerstatistik hervor, die dem Bürgerbüro vorliegt.

Wenn man rechnerisch vorgeht und die Statistik vom Meinungsforschungsinstitut DALIA RESEARCH hinzuzieht, leben in Pfaffenhofen ca. 1.961 LGBT*.

gleichgeschlechtliche ehe.jpg

gleichgeschlechtliche Ehe

Seit dem 01. Oktober 2017 haben gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland das Recht auf Eheschließung. Vorher durften gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland lediglich eine eingetragene Lebenspartnerschaft schließen. Im ersten vollständigen Jahr 2018, in dem die Eheschließung möglich war, haben rund 37.000 gleichgeschlechtliche Paare geheiratet. Diese Zahlen wurden veröffentlicht von STATISTA RESEARCH DEPARTMENT am 05.05.2020. Laut dieser Statistik waren es ca. 22.000 schwule und ca. 15.000 lesbische Paare, die sich das „Ja-Wort“ gegeben haben.

Regenbogenfamilie.jpg

Regenbogenfamilien

Regenbogenfamilien werden in Deutschland gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern genannt. Diese Familienform kommt in einer Statistik noch relativ selten vor. Eine genaue Schätzung ist aufgrund der Datenlage sehr schwierig. Unter den Regenbogenfamilien sind Adoptiv- und Pflegefamilien ebenso zu finden wie Familien, deren Kinder aus einer heterosexuellen Partnerschaft stammen.


2016 bildeten etwa 95.000 gleichgeschlechtliche Paare einen gemeinsamen Haushalt. Etwa vielleicht jede Zehnte dieser Partnerschaften kann als Regenbogenfamilie im engeren Sinn bezeichnet werden, da hier zum Befragungszeitpunkt mindestens ein lediges Kind im Haushalt der Männer- oder Frauenpaare lebte. Rund 14.000 Kinder waren 2016 in Deutschland Teil einer solchen Regenbogenfamilie 

 

Quelle: Statistischen Bundesamtes

Gehalt.jpg

Gehälter

Laut Studie liegt der durchschnittliche Bruttostundenlohn bei:

18,00 Euro heterosexuelle Männer

16,44 Euro lesbische Frauen

16,40 Euro homosexuelle Männer

14,40 Euro heterosexuelle Frauen

Die Unterschiede blieben auch, wenn die Unterschiede in Qualifikation, beruflicher Position, Erfahrung, Branchen und Arbeitszeitmodellen berücksichtigt würden. Der Abstand zwischen Homo- und Hetero-Männern steigt sogar auf mehr als zwei Euro, wenn die höhere Schulbildung von Schwulen und Bi eingerechnet wird. Nach dem vielfach dokumentierten „Gender Pay Gap“ des Lohnabstands zwischen Männern und Frauen gebe es folglich auch einen „Sexuality Pay Gap“ von „bedeutsamem Umfang“, die schwulen und bisexuellen Männer betreffe.

 

Quelle: Wirtschaftsforschungsinstitut DIW, Berlin

Wenn Du immer auf dem Laufenden bleiben möchtest, dann unterzeichne hier für unseren Newsletter: