Der fremde Ferdinand

Beitrag teilen ?

Grimm? Grimm? Da war doch noch was. Ein Mordfall aus den Nachrichten? Ein bekannter Schauspieler? Nein – der Name Grimm ist hauptsächlich bekannt durch die Gebrüder Grimm und ihre Märchen. Jakob und Wilhelm Grimm, Schriftsteller solcher Märchen wie „Der Wolf und die sieben jungen Geißlein“ oder „Brüderchen und Schwesterchen“. Sie verfassten in der Zeit von 1812 bis 1858 ca. 200 Geschichten und Märchen.

Der Name Grimm ist Allen ein Begriff … Doch wer kennt Ferdinand Philipp Grimm?

Die Eheleute Dorothea und Philipp Wilhelm Grimm hatten neun Kinder, drei von ihnen starben bereits als Säuglinge. Sie lebten in Hanau, das Geburtshaus der Grimm stand am Paradeplatz. Neben Jacob und Wilhelm erlangte auch der jüngere Bruder Ludwig Emil als Maler Bedeutung. Während der Sagen- und Märchensammler tätige Bruder Ferdinand Philipp in Vergessenheit geriet. Bis heute ist er als der „unbekannte Bruder“ der Grimms bekannt. Er half seinen zwei Brüdern bei ihrer Sagensammlung. Während Jacob und Wilhelm daheim sitzend die Sagen sortiert und studiert haben, war Ferdinand auf Reisen und hat sich die Sagen und Geschichten aus der Bevölkerung erzählen lassen. Die er dann an seine zwei Brüder weitergegeben hat. Aber auch er verfasste unter dem Pseudonymen Lothar Philipp von Steinau drei eigene Sammlungen.

Warum geriet der talentierte Ferdinand in Vergessenheit? Warum haben seine zwei bekannten Brüder ihn nicht weiter gefördert oder mit ins „Rampenlicht“gestellt?

Ferdinand Grimm | Repro Stadt Hanau

Autor Professor Heiner Boehncke hat gemeinsam mit Hans Sarkiewicz vielleicht einen Grund dafür gefunden. Weihnachten 1810 am ersten Weihnachtsfeiertag, das Fest für Familie. Es waren alle anwesend, selbst Freunde der Familie und Bekannte. Eine große Showbühne für Ferdinand. An diesem Tag hatte er sein Coming Out. Hier sagte er offen, dass er homosexuell ist. Was für ein Skandal in dieser Zeit. Ferdinand lebte bis zu seinem Tod 1845 ganz offen sein Schwulsein aus. Er lebte anders als seine Brüder, die sein Leben nicht verstanden und ihn als Faulpelz bezeichneten.

Endgültig zerrüttet wurde das Verhältnis zur Familie, als Ferdinand in der Braunschweiger Mitternacht-Zeitung unter dem Namen „Tante Henriette“ eine Schlüsselgeschichte über die Familie Grimm schrieb. „Das war eine Generalabrechnung“, steht für Boehncke fest, auch wenn Ferdinand den Akteuren andere Namen gab. Es sei schließlich für alle offensichtlich gewesen, um wen es in der Geschichte ging.

„Der fremde Ferdinand“

Ein interessantes Buch von Heiner Boehncke und Hans Sarkiewicz, erschienen am 31.08.2020 bei „Der anderen Bibliothek“. Es zeigt ein etwas anderes Bild der Gebrüder Grimm.

Vielleicht ein Geschenktipp zum Geburtstag oder einfach so.

 

Wer Interesse an diesem Buch hat, kann es ganz einfach regional hier in Pfaffenhofen bei WortReich der genial-lokalen Buchhandlung bestellen.

Andreas Sigl-März

Andreas Sigl-März

9. Januar 2021

weitere Beiträge

CSD Ingolstadt 2022

Am 17.09.2022 war das Wetter nicht perfekt für den vierten Christopher Street Day in Ingolstadt. Aber gemäß dem Motto, es

weiterlesen »

Queeres Netzwerk Bayern

Gestern startete in der Kranhalle in München die Große Netzwerktour des neugegründeten Kooperationsprojektes Queeres Netzwerk Bayern. Luca und Norbert von

weiterlesen »